Sitzsäcke: Vom anatomischen Stuhl zum Designmöbel

01.07.2015 10:00

Ein wenig unförmig steht der Sitzsack auf dem Boden, zerknautscht und faltig, und lädt jederzeit zum entspannten Sitzen und Relaxen ein. Sitzsäcke sind auch Jahrzehnte nach ihrer Erfindung ein Kultobjekt, das in zahlreichen Kinder- und Jugendzimmern, vor Gaming-Stationen und in Gärten nicht fehlen darf. Seit den ersten Sitzsäcken hat sich freilich jede Menge verändert, im Hinblick auf Materialien und Füllungen ebenso wie in Bezug auf Typen, Formen und Größen. Sein anarchisch-jugendliches Image besitzt der Sitzsack nach wie vor. Trotzdem gilt er mittlerweile als salonfähiger Einrichtungsklassiker, der auf stilvolle Weise selbst edlen Lofts und den Terrassen gehobener Beachclubs zu mehr Bequemlichkeit und Komfort verhilft. 

 

Kult seit den Swinging Sixties

5323-Galerieansicht556eb4474ee3fAls drei italienische Architekten, die Erfinder des pflegeleichten, leicht transportierbaren Sitzsackes, den "anatomischen Stuhl" entwarfen, konnten sie nicht ahnen, dass ihre Idee den Zeitgeist so perfekt aufgreifen und widerspiegeln und auf der ganzen Welt Verbreitung finden würde. Der "Sacco" genannte Entwurf von 1968 steht mittlerweile als Design-Ikone im legendären Museum MoMa - produziert wird der Sitzsack allerdings bis heute. Seine Hochzeit waren die wilden 60er und 70er Jahre, geprägt durch die Hippiebewegung und das Aufbrechen alter Traditionen. Sitzsäcke passten perfekt in diese Zeit des Umbruchs und fanden bei den jungen Wilden auch deshalb regen Zuspruch, weil sie von Anfang an Mobilität mit Komfort und unkomplizierter Handhabung verbanden. Ein Revival erlebt der Sitzsack etwa seit den späten 1990er Jahren insbesondere bei Jungen und Junggebliebenen, die gesteigerten Wert auf hohen Sitzkomfort und Bequemlichkeit, Mobilität und einen außergewöhnlichen Look legen - und entwickelt sich seitdem in verschiedenen Richtungen weiter.

 

Für jeden Anspruch der richtige Sitzsacktyp 

Als Klassiker unter den Sitzsäcken gilt der tropfenförmige Indoor-Sitzsack, der heute in praktisch allen Einrichtungshäusern verfügbar ist. Mit veränderten und gestiegenen Erwartungen an Sitzmöbel kamen insbesondere in den letzten 10 Jahren unterschiedlichste Sitzsackvarianten dazu. Eine logische Weiterentwicklung des klassischen Sitzsacks ist beispielsweise der Outdoor-Sitzsack aus schmutzabweisendem, wetter- und wasserfestem Material in besonders robuster Qualität und Verarbeitung. Die neuesten Modelle überzeugen mit einem Bezugsstoff aus neuen Hightech-Materialien, die sich angenehm wie ein Stoff anfühlen und dennoch die wasserabweisenden und robusten Eigenschaften von Kunststoff aufweisen. Die neueste Generation der Outdoor-Varianten haben nichts mehr von Campingatmosphäre und Polyesterrascheln: Sie kommt aufgrund ihrer zeitgemäßen Ausstattung und Gestaltung wie selbstverständlich auch in Innenräumen zum Einsatz - die Grenze zwischen innen und außen verwischt zusehends.

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In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Sitzsackhersteller begonnen, Sitzgelegenheiten für besondere Kundengruppen auf den Markt zu bringen - und haben damit offenbar einen Nerv getroffen. In der Größe und stilistischen Gestaltung angepasste Sitzsäcke speziell für Kinder und Babys erfreuen sich ebenso großer Beliebtheit wie Bodenkissen für Haustiere und Sitzsack Möbelkollektionen. Bei letzteren erhält der klassische Sitzsack durch neue Nahtführungen mehr Form und eine konkrete Funktion, etwa in Form von Chillseats zum entspannten Sitzen mit ausgearbeiteter Rückenlehne oder als Sitzsack-Liege mit stützenden Arm- und Rückenlehnen.

 

 

Welche Sitzsackform ist die Richtige? 


11182-galerieansichtIm Wortsinn klassische Sitzsäcke besitzen die ikonische Hinkel- oder Tropfenform, die einen Sitzsack aufgrund ihrer wandelbaren Eigenschaften im Prinzip zum leichtgewichtigen Multifunktionsmöbel macht - der Sack ist Sitz- und Liegemöbel, Abstellmöglichkeit und Kopfkissen in einem. Aus dieser Sitzsackform entwickelten sich zahlreiche andere Sitzsackvarianten wie etwa die mittlerweile ebenfalls weit verbreitete Kissenform. Darüber hinaus gibt es auch Exemplare in Kugel- und Würfelform, als Liege oder Tierbett, Sofa oder Bodenpolster, das zusammen mit anderen Elementen zu einer bequemen und individuellen Sitzlandschaft kombiniert werden kann. Eine Erscheinung der letzten Jahre sind Sitzsäcke in Form von Kuscheltieren oder passend zu bestimmten Themen, die sich besonders bei Kindern und Jugendlichen großer Beliebtheit erfreuen.

 

Große Unterschiede bei Füllungen und Materialien

Hinsichtlich seiner Füllung bleibt sich der Sitzsack weitgehend treu. Waren es anfangs Styropolkugeln, die dem leichtgewichtigen Trendmöbel ausreichend Stabilität und Volumen verliehen, sind es heute je nach Hersteller und Qualitätsgrad unterschiedlich große, staubfreie Styroporkugeln (EPS-Perlen, oftmals in einem extra Inlett) oder weiche Schaumstoff-Flocken. Während die günstigen Schaumstoff-Flocken oder umweltfreundlichen  Recycling Styropor etwas mehr Halt bieten, passen sich die kleinen Styroporkügelchen dem Nutzer automatisch perfekt an. Je kleiner die Kügelchen, desto besser das Stützverhalten und desto bequemer der Sitzsack. Zu beachten ist, dass das Volumen der Füllung im Laufe der Zeit abnimmt und je nach Grad der Nutzung EPS-Perlen nachgefüllt werden sollten.

Waren die ersten Sitzsäcke noch mit einem Bezug aus strapazierfähigem Vinyl in kunterbunten Farben ausgestattet, haben heutige Interessenten deutlich mehr Auswahl. Klassische Sitzsäcke besitzen meist eine Hülle aus strapazierfähigem und langlebigem Nylon oder aus hautsympathischen Baumwollmischungen in 1001 Designs und Farben. Daneben gibt es aber auch hochpreisigere Modelle aus Hightech-Materialien, die die Vorteile von strapazierfähigem Nylon mit der ansprechenden Optik hochwertiger gewebter Stoffe verbinden. Ausgefallenere Sitzsack-Modelle werden aus eher ungewöhnlichen Oberstoffen gefertigt, etwa aus Segeltuch, Kaffeesäcken, Leder, Plüschstoff, Pelz, Strick oder recyceltem Gummi. 

 

Preisrahmen und Hersteller

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Sitzsäcke können herkömmliche Couchlandschaften und Stühle nicht vollständig ersetzen, ergänzen sie jedoch wunderbar. Dabei gilt: Je höher der Anspruch an Sitzkomfort und Optik, desto höher der Preis. Daneben haben auch Größe und Füllung, Design und Kultstatus einen Einfluss darauf, wie teuer ein Sitzsack letztlich ist. Die meisten hochwertigen Modelle, etwa von Kultmarken wie Sitting Bull, FatSak, Sacco oder Extreme Lounging, liegen preislich zwischen 100 und 200 Euro. Die günstigeren Modelle sind im Handel etwa ab 30-50 Euro zu haben. Nach oben sind grundsätzlich keine preislichen Grenzen gesetzt - selbst individuell designte Anfertigungen aus exklusivsten Ledern und Stoffen sind denkbar.

 

 

Aktuelle Sitzsack Trends

Mit ihren Farben setzen Sitzsäcke ebenso effektiv Akzente wie mit ihren Mustern und Formen. In aktuellen Trendfarben werten sie jeden Wohnraum sofort auf. Angesagte Modelle sind darüber hinaus Meister der Illusion: Sie wirken wie aus Naturmaterialien (z.B. Baumrinde) oder Grobstrick gefertigt, sind stilvoll abgesteppt oder besitzen eine integrierte Lehne für ein Höchstmaß an Komfort. Neben klassischen Sitzsäcken sind damit auch Sessel, Sofas, Sitzecken, Lounge-Betten und verschiedenste Hocker erhältlich, die sich zu individuellen Sitzgruppen zusammenstellen lassen. Genau das ist der wohl größte Trend: Die neusten Sitzsäcke sind dank hochwertiger Materialien und vielfältiger Formen im Innen- und Außenbereich individuell einsetzbar und können je nach Situation und Sitzplatzbedarf mit einem Handgriff neu arrangiert werden. Die neuen alten Sitzmöbel sind flexibel, individuell und spiegeln die Vorlieben der Besitzer wider, was sie zum Trendmöbel und Designgegenstand zugleich macht.